Grenzen fühlen. Ein Akt von Selbstschutz und Selbstachtung

A person holding a pencil and writing on a piece of paper

Es gab eine Zeit, da habe ich meine Grenzen kaum gespürt. Oder besser gesagt, ich habe sie gespürt und trotzdem ignoriert. Ich habe funktioniert, mitgemacht, durchgezogen. Aus Rücksicht. Aus Pflichtgefühl. Aus dem Wunsch heraus, niemanden zu enttäuschen. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich dabei vor allem eine Person übergehe. Mich selbst.

Der heutige Impuls „Grenzen fühlen“ ist deshalb für mich kein theoretischer Gedanke. Er ist eine Einladung, wieder feiner zu werden. Ehrlicher. Mir selbst gegenüber. Denn meine Grenzen melden sich längst, bevor ich sie bewusst ausspreche. Sie zeigen sich in Müdigkeit, in innerem Widerstand, in diesem leisen Gefühl von „eigentlich ist es mir gerade zu viel“.

Grenzen zu fühlen bedeutet für mich, genau dort hinzuhören. Nicht erst dann, wenn ich gereizt bin oder mich leer fühle. Sondern früher. In dem Moment, in dem mein Körper oder mein Inneres leise aufhorcht. Psychologisch ist das Selbstschutz. Emotional ist es Selbstachtung.

Ich habe gelernt, dass Grenzen nichts Trennendes haben müssen. Im Gegenteil. Sie halten meine Energie zusammen. Sie geben mir Stabilität. Immer dann, wenn ich mir erlaube, eine Grenze zu ziehen, fühle ich mich klarer. Ruhiger. Mehr bei mir. Und genau das verändert auch mein Auftreten im Außen.

Manchmal ist diese Grenze ein ausgesprochenes Nein. Manchmal ist sie viel subtiler. Ich antworte nicht sofort. Ich bleibe innerlich auf Abstand. Ich entscheide mich bewusst, heute nicht alles zu erklären. Diese kleinen Entscheidungen haben eine große Wirkung. Sie sagen mir selbst: Du bist wichtig. Deine Energie zählt.

Was ich dabei besonders spannend finde ist, dass Grenzen nicht hart sein müssen. Sie dürfen freundlich sein. Eine Grenze kann auch heißen, mir heute mehr Pausen zu erlauben. Oder mich nicht für jede Stimmung im Raum verantwortlich zu fühlen.
Die Umsetzung ist für mich ganz konkret. Ich frage mich im Laufe des Tages immer wieder: Wo spüre ich gerade ein inneres Nein. Und was wäre eine kleine, stimmige Grenze, die ich mir jetzt schenken kann.

Grenzen fühlen heißt für mich nicht, mich zu verschließen. Es heißt, mich zu schützen. Und genau darin liegt so viel Kraft, Ruhe und Selbstvertrauen.